Daruma: Die japanische Glückspuppe, die ans Dranbleiben erinnert
Ein grimmiges Gesicht, ein runder Bauch und zwei leere Augen: Auf den ersten Blick wirkt eine Daruma-Puppe nicht gerade wie ein Glücksbringer. Sie lächelt nicht, hat weder Arme noch Beine und schaut trotzdem so entschlossen, als könnte sie jeden Widerstand aussitzen.
Genau darin liegt ihr Reiz. In Japan steht der Daruma für Ausdauer, Zuversicht und die Fähigkeit, nach einem Rückschlag wieder aufzustehen. Er soll Wünsche begleiten - nimmt einem die Arbeit daran aber nicht ab.
Was hinter der Daruma-Puppe steckt
Das Vorbild des Daruma ist Bodhidharma, ein buddhistischer Mönch, der als wichtige Gründerfigur des Chan-Buddhismus gilt. Aus dieser Tradition entwickelte sich in Japan der Zen-Buddhismus. Über Bodhidharmas Leben gibt es viele Legenden. Eine erzählt, er habe neun Jahre lang einer Wand gegenüber meditiert.
Die gedrungene Form der Daruma-Puppe wird mit dieser unbeirrbaren Meditation in Verbindung gebracht. Als Figur des japanischen Volksglaubens ist sie allerdings weit mehr als die Darstellung eines Mönchs: Sie ist ein greifbares Symbol für einen sehr menschlichen Wunsch - etwas zu schaffen, das Kraft und Geduld verlangt.
Traditionelle Daruma werden meist aus Pappmaché gefertigt. Ihr beschwerter Boden sorgt dafür, dass sie sich nach dem Anstoßen wieder aufrichten. Dazu passt ein japanisches Sprichwort:
„Nanakorobi yaoki“ - siebenmal hinfallen, achtmal aufstehen.
Man muss dafür nicht besonders spirituell sein. Manchmal reicht es schon, diesen Gedanken auf dem Schreibtisch stehen zu haben.
Warum ein Daruma zunächst keine Pupillen hat
Viele Daruma werden mit zwei weißen Augenflächen verkauft. Die fehlenden Pupillen gehören zum Ritual.
Wer sich ein konkretes Ziel setzt, malt zunächst eine Pupille aus. Danach bekommt die Puppe einen Platz, an dem sie im Alltag auffällt: neben dem Bildschirm, auf einem Regal oder im eigenen Geschäft. Wird das Ziel erreicht, folgt die zweite Pupille.
So begleitet ein Daruma etwa eine Prüfung, den Aufbau eines Unternehmens oder ein persönliches Vorhaben. Entscheidend ist weniger der große Wunsch als die Verbindung zu etwas, das man selbst beeinflussen kann.
Der Daruma wartet gewissermaßen mit. Sein unvollständiges Gesicht erinnert daran, dass noch etwas offen ist - ohne Kalenderalarm und ohne die nächste Produktivitäts-App.
Die Einzelheiten des Brauchs können je nach Tempel, Region oder persönlicher Tradition variieren. Eine überall verbindliche Gebrauchsanweisung gibt es nicht.
Rot ist der Klassiker - aber nicht die einzige Farbe
Die bekannteste Daruma-Puppe ist rot. Diese Farbe wird in Japan unter anderem mit Schutz und der Abwehr von Unheil verbunden. Daneben findet man weiße, goldene, schwarze und viele weitere Varianten.
Häufig werden den Farben bestimmte Wünsche zugeordnet, beispielsweise geschäftlicher Erfolg, Gesundheit oder Glück in der Liebe. Solche Zuordnungen sind allerdings nicht überall gleich. Wer einen Daruma auswählt, kann sich deshalb ruhig auch danach richten, welche Gestaltung ihn persönlich anspricht.
Ein genauerer Blick auf das Gesicht lohnt sich ebenfalls. Bei vielen traditionellen Daruma erinnern die Augenbrauen an Kraniche und die Bartpartien an Schildkröten. Beide Tiere gelten in Japan als Symbole für Langlebigkeit.
Eine besondere Verbindung zu Takasaki
Besonders bekannt für Daruma ist Takasaki in der Präfektur Gunma. Die Stadt zählt zu den wichtigsten Zentren ihrer Herstellung. Eng mit dieser Tradition verbunden ist der Tempel Shōrinzan Darumaji.
Viele Menschen kaufen einen neuen Daruma zum Jahresbeginn. Ausgediente Puppen werden mancherorts an Tempel zurückgegeben und bei rituellen Verbrennungen verabschiedet. Dahinter steht auch der Gedanke, sich für ihre Begleitung zu bedanken und einen Lebensabschnitt bewusst abzuschließen.
Mehr als ein Souvenir
Natürlich kann ein Daruma einfach ein schönes Mitbringsel aus Japan sein. Seine eigentliche Stärke zeigt sich aber erst, wenn man ihn mit einem eigenen Ziel verbindet.
Dabei ist er kein Versprechen, dass alles gut gehen wird. Eher eine freundliche Zumutung: Du wolltest doch etwas anfangen. Wie steht es damit?
Vielleicht macht ihn genau das so sympathisch. Der Daruma steht nicht für ein Leben ohne Rückschläge. Er steht für den nächsten Versuch.





