Burnout-Prävention mit KARATE-DÔ
Der heilsame Kampf um das eigene Selbst
von Sensei Dr. Andreas Höfner
Das Schreckgespenst des Burn-Out geht um: Immer mehr Menschen müssen wegen seelischer Probleme vorzeitig ihre Beschäftigung beenden.
Mehr als 40% der Frührenten in Nordrhein-Westfalen sind Krankheiten der Psyche geschuldet (vor 10 Jahren waren das noch 26%!).
Tiefgreifende Frustrationen, steigender Suchtmittelkonsum, nicht mehr zu verdrängende Leeregefühle, überbordende Ängste und allgegenwärtige Konzentrations- und Schlafstörungen sind nur einige Aspekte dieses komplexen Krankheitsbildes.
Die Gründe für den Weg in die Krise sind vielgestaltig, oft haben sie ihren Ursprung in der Berufstätigkeit: Steigender Druck am Arbeitsplatz, die Selbstverständlichkeit, mit der erwartet wird, ständig erreichbar zu sein (die viel zu oft „freiwillig“ auch ins Privatleben übertragen wird!), die verlorene Fähigkeit einfach „abzuschalten“.
Überall ständige Überforderung, dabei das dauerhafte Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit den Verhältnissen gegenüber. „Mehr, besser, schneller – und immer gleich und sofort!“ Wer versucht, diesem Mantra zu entsprechen, muss sich selbst zwangsläufig aus den Augen verlieren.
Es ist klar: Ein Leben im fortwährenden Standby-Modus macht uns krank.
Leider kommt nicht wenigen diese Erkenntnis erst dann, wenn die Symptome
des Ausgebranntseins sich bereits manifestiert haben und die Zeit
für wirkungsvolle Prävention vertan wurde. Was also ist zu tun?
Entscheidend ist: Auch wenn der einzelne an den fremdbestimmten Umständen seines Lebens oft nicht allzu viel ändern kann, jeder kann lernen, mit Belastungen angemessen umzugehen. Wege dahin gibt es zahlreiche. Und reagiert man früh genug, muss die Hilfe auch nicht gleich vom Arzt oder Therapeuten kommen.
Wer spürt, dass er gefährdet ist, dass es langsam aber sicher „brenzlig riecht“,
weil seine Kerze an beiden Seiten brennt, dem stehen verschiedene Wege der aktiven Prävention offen. Zum gemeinsamen Kern aller präventiven Ansätze gehört elementar Bewegung und Entspannung. Inhalte also wie sie in den chinesischen Bewegungskünsten Tai Chi und Qi Gong, aber eben auch dem japanische 'Weg der Leeren Hand', dem
Karate-Dô, grundlegend sind.
Und worum geht es beim wirksamen Schutz vor dem Monster Burnout? Darum, Abgrenzung neu zu erlernen, ganz bewusst Nein zu sagen, zu spüren, was man für selber braucht und will. Das alles erfordert einen hohen Grad an Selbstaufmerksamtkeit. Und genau das ist eines der zentralen Themen, um die es beim Weg des Karate geht. Die Wachheit für die eigenen Belange, die aufmerksame Pflege des je eigenen Menschseins, die sorgfältige Achtsamkeit für das, was das Selbst zum Leben braucht.
Schon allein der Weg heraus aus der Erstarrung üblicher Alltäglichkeiten, weg von den ausgetreten Pfaden hin zu etwas, das man noch nicht versucht hat
(aber vielleicht immer schon mal probieren wollte?), kann oftmals Wunder wirken. Eine frische Erfahrung und mit einem Mal erscheint der dauerhaft quälende Stress wie weggefegt. 'Wer dagegen im Stress festhängt, bei dem verhakt sich alle Wahrnehmung', bringt es die Münchner Therapeutin Angelika Egger auf den Punkt. Man muss also weg von alten Mustern (zu denen auch der ewige Wahn „Ich hab doch keine Zeit“ gehört!) und zurück in den Fluss eines ausgeglichenen Lebens.
Den Kopf frei zu bekommen, lernen, über den Dingen zu stehen, auf sich selbst zu achten (das heißt auch: Sich selbst achten!) und sein Selbst zu bewahren,
vor dem Zerrissenwerden durch das maßlose Vielerlei einer irrwitzig überdrehten Welt, dazu kann der Weg des Karate wirkungsvolle Hilfe bieten. Dies kommt einem besonderen, lange wenig beachteten Verständnis des Begriffs „Selbst-Verteidigung“ gleich: Es geht nämlich darum, den Raum des eigenen Selbst zu schützen, wirkungsvoll zu verteidigen und zu bewahren.
Wenn der Unterricht im Dôjô (Übungsraum des Karate) beginnt, bleibt für die Zeit der Übung alles andere draußen vor der Tür: Jeder ist nur für sich selber da, die Zeit steht wohltuend eine gute Weile still. Das Heraustreten aus dem Alltag, die neuen Bewegungserfahrungen mit dem lange schon vernachlässigten eigenen Körper, der bewusste Umgang mit der Atmung, die konkrete Praxis der täglichen Meditation, all das gehört zum Karate-Dô.
Das rechte Maß zwischen aktiv und passiv wahrzunehmen, einen Lebensrhythmus wieder zu erlangen, der nicht unter dem Diktat von Handy-Klingelsignalen und SMS-Pings steht, das kann erstaunliche Perspektiven eröffnen. Man muss sich nur auf den Weg machen.
Früh genug.
Für alle Interessierten stehen die Türen des SHÛDÔIN-Karate-Dôjô jederzeit offen.
Für weitere Infos unter...
Kai Michael Görl
kontakt@shudoin.de
www.shudoin.de